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Mai

Wie man ein sehr guter Fotograf wird?

Maik   |   Kategorie(n): Fotografie, Gedanken   |   Keine Kommentare

Um es vorweg zu nehmen: natürlich ist die Frage schon provokativ formuliert und ließe sich wohl auf keinen gemeinsamen Nenner in einer Antwort trimmen. Doch dieses Bestreben – sehr gut in dem zu sein was wir so tun – liegt ja bekanntermaßen in der Natur der Sache. (Ich nehme mich da keinesfalls heraus.) Dabei meine ich “sehr gut” nicht einmal im übertriebenen Kontext oder einem Vergleich mit anderen Fotografen / Künstlern. Vielmehr noch die letzten 2% mehr aus sich herauszukitzeln um das Potential voll auszureizen, was vielleicht noch in einem schlummert.

Bevor es hier schonungslose Kritik hagelt: ich möchte mit diesem Beitrag / Artikel weder den Anspruch erheben, besondere oder gar die besten Bilder zu machen noch sehe ich mich im Stadium einer Koryphäe angekommen – falls es diesen überhaupt gibt. Ich fotografiere aus Leidenschaft und sehe mich selbst noch so ziemlich am Anfang eines Prozesses mit offenem Ausgang.

Fotografieren mit Hingabe & Leidenschaft.

Um wirklich gut in etwas zu werden, wird man zwangsläufig nicht darum herumkommen es aus Leidenschaft und einer gewissen Liebe zu tun und auch hin und wieder den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen zu müssen. Wer fotografiert, weil er fotografieren muss (etwa zum täglichen Überleben) – wird feststellen, dass man recht schnell abstumpft und nicht mehr zu 100% bei der Sache ist, was sich dann öfters in den Ergebnissen wiederspiegelt.

Auch denken viele Menschen, wenn sie ein Bild sehen was sie total vom “Hocker wirft”, dass die Fotografin / der Fotograf ein unglaubliches Auge, ein sagenhaftes Talent haben muss. (In gewisser Weise ist diese Grundeigenschaft – ein Auge für die Fotografie zu haben – schon von Nöten) doch niemand sieht die abertausenden Fehlversuche, die fotografischen “Katastrophen” und totalen Fehlkompositionen die der Fotograf vor diesem Foto gemacht hat um dort angelangt zu sein.

Diese Bilder wird man in aller Regel auch nie zu Gesicht bekommen und der Fotograf wäre schlichtweg bescheuert diesen “Ausschuss” zu veröffentlichen. Manchmal würden mich diese Ausreißer dennoch interessieren.

Will ich nicht verleugnen. :)
Du nicht?

Realistisch bleiben.

Nichts ist in Zeiten von Fotocommunities einfacher als innerlich völlig und fernab jeder Realität “verblendet” zu werden. Es wird einem förmlich aufgedrängt. Nach 20.000 Kommentaren wie “supertoll”, “absolut grandios” und “Topshot!” kann man schon mal kräftig an Höhenwasser gewinnen und sich für den neuen Messias der Fotografie halten.

Sei du selbst, sei kreativ.

Es gehört vermutlich zu den schönsten Komplimenten die man als Fotograf oder Fotografie-Begeisteter erhalten kann: ein Betrachter erkennt sofort eine eindeutige “Handschrift” in deinem Bild und bringt es automatisch mit dir in Verbindung. Nun ist es im der People- bzw. Model-Fotografie auf Fotoportalen jedoch oftmals der Fall, dass Bilder nur nachgestellt werden (sehr beliebt: Cover-Bilder der Hochglanzmagazine werden versucht 1:1 unter dem Deckmantel “wollte nur sehen wie sie das gemacht haben” nachzufotografieren).

Doch warum?

Jeder hat seine eigenen Augen im Kopf, betrachtet die Welt aus einem ganz eigenen Betrachtungswinkel, einer eigenen Wahrnehmung wie “sein” perfektes Bild auszusehen hat.

Es muss nicht jedes Bild ein “Burner” sein.

Auch wenn es eigentlich der Anspruch an sich selbst sein sollte – dass jedes Bild für jeden Betrachter ein “Kracher” wird – es wäre schlichtweg vermessen und gelinde gesagt “für die Tonne”. Genau genommen kann man sogar aus verkorksten Fotos mehr für sich heraus lernen als aus “perfekten”.

Was stimmte (noch) nicht?
Falscher Lichtformer?
Zu wenig oder zu viel Licht am Blitzkopf eingestellt?
Falsche Einstellungen / Blende gewählt?
Falsche Perspektive?
Falsches Objektiv verwendet?
Passte die Kombination aus Model / Outfit / Location nicht?

Realistisch könnte man sagen – wenn unter 100 geschossenen Fotos von einem Shooting genau das Eine dabei ist was einen persönlich vom Hocker reißt, ist das ein recht guter Schnitt. Wer hingegen behauptet, dass 97 von 100 “perfekt” sind… sollte vielleicht einfach mal den Foto-Ordner mit dem Papierkorb tauschen.

Der Weg ist das Ziel.

Fotografie ist ein stetiger Lern- und Entwicklungsprozess. Was andere vielleicht sehr gut finden oder als “Burner” deklarieren, kann für einen selbst morgen schon wieder nicht mehr den eigenen Ansprüchen genügen. Vielleicht muss das auch so sein, denn alles andere wäre vermutlich Stillstand, man wäre “satt”.

Dass dieser Weg der Entwicklung einem ständigen Berg-auf und Berg-ab gleichen wird, gesät ist von überhöhten Ansprüchen von anderen an einen selbst (oder gar von sich aus an einen selbst) die man am Ende nicht hin bekommt oder ihnen gerecht werden kann – liegt nahe und erfordern einen nüchternen aber auch liebevollen Umgang mit sich selbst und seiner Entwicklung. Wenn du auf andere Fotografen triffst die “besser” sind als man selbst, sehe einen Ansporn, eine Inspiration in ihren Arbeiten / Fotos.

Einer der größten Fehler wäre sicher, sich mit ihnen zu vergleichen.

Man ist einfach ein anderer Fotograf.
In einer anderen Zeit.


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