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Mai

Über Fotocommunities, Illussionen & Platzhirsche

Maik   |   Kategorie(n): Fotografie, Gedanken   |   4 Kommentare

Sogenannte Fotocommunities (Fotografen bzw. Modelle können ihre Bilder auf Internetportalen hochladen um im Anschluss daran mehr oder weniger sinnfrei über sie zu diskutieren) waren zweifelsohne eine prima Erfindung unserer bunten Web2.0 Welt und brachten so manch wohltuenden Balsam auf geschundene Fotografen-Seelen. Da schließe ich mich mit meiner Seele gern mit ein.

Doch sie sind nicht nur Balsam; können zugleich auch Gift für die fotografische Entwicklung bedeuten.

Bereits im Oktober des vergangenen Jahres habe ich die Zeilen von Olaf sehr aufmerksam gelesen – er sprach mir und meiner Sicht auf die Dinge in gewisser Weise aus dem Herzen.

Doch ich war zu dem Zeitpunkt innerlich noch nicht bereit mich einfach so von festgefahrenen Strukturen loseisen zu können, brauchte noch Zeit um dann – ist noch gar nicht allzu lange her – in einer Art “nächtlichen Umwandlung” (Nacht-und-Nebel-Aktion) auf Abstand zu gehen und der einen oder anderen Community den Rücken zu kehren. Dabei hat das nicht einmal etwas mit den Communities als solches gemein – vielmehr mit meinem eigenen Anspruch an mich wohin “die Reise” fotografisch hingehen soll.

In gewisser Weise fühlte ich mich eingeengt, konnte mich nicht mehr bewegen.
Shootings ja und sehr gern, die fotografische Weiterentwicklung hinkte meinem Anspruch hinterher.

Diese Ansicht teilte dann wohl auch ein mittlerweile guter Fotografen-Freund – schmunzelnder weise muss ich aber auch schreiben, dass es genau jener war, welcher mir kurz vorher sagte “Meld dich dort ab, dann reden wir nochmal übers Geld verdienen.” um sich im gleichen Atemzug zu meiner “Kick off” Aktion wieder anzumelden. (man ist scheinbar nur noch von Heuchlern bzw. Falschspielern umgeben :D )

Zumindest sagte er nicht, dass meine Fotos generell “für die Tonne” wären, was letztendlich den Abend und ihm vermutlich das Leben rettete. *lol*

Nun weiß ich nicht, wie es sich bei Fotografen verhält welche für ihr Leben gern Landschaften / die Natur / Architektur fotografieren. In der Model- und People-Fotografie hat man nicht viele Wahlmöglichkeiten:

  • professionelle und erfahrene Fotomodelle über eine Agentur buchen
  • Menschen / Modelle auf der Straße ansprechen
  • im Internet auf besagten Plattformen (Communities) Ausschau halten
  • Freunde / Bekannte

Okay, viele werden wahrscheinlich die gleichen Probleme haben.
Wenn die Region nicht viel von dem hergibt, was man sich vorstellt, tritt man vermutlich auch “auf der Stelle”.

Doch um beim bereits erwähnten Artikel von Olaf zu bleiben, möchte ich gern drei Punkte von ihm aufgreifen die ich so mit einem gewissen Abstand zur “Community” voll umfänglich unterschreiben möchte (um im späteren Verlauf noch darauf einzugehen).

Anmerkungen, Kommentare und Diskussionen sind nicht ehrlich

Wer lobt der hat in solchen Gemeinschaften “Freunde” oder Neudeutsch “Buddys”. Wer ehrlich ist, wird von der Gemeinschaft angegriffen und von den befreundeten Buddys verteidigt. Interessanterweise hat sich in diesen Gemeinschaften auch schon das Gegenmodel des notorischen Kritikers herausgebildet. Auch hier spreche ich dem Kritiker die Ehrlichkeit ab. Nur wer auffällt, der hat bei der Jagd nach den meisten Klicks u.U. die Nase vorn und ist in sochen Foto- Communities überhaupt existent.

Die persönliche fotografische Weiterentwicklung wird beeinflusst durch die Moden des Systems

User in einem geschlossenen System bleiben in dem kreativen Sumpf der Gemeinschaft hängen und entwickeln sich persönlich nicht weiter. Vergleicht man mal das englischsprachige, photo.net mit der deutsche fotocommunity.de oder gar mit dem polnisch wurzelnden altphotos.com so kann man relativ leicht Moden und bevorzugte Richtungen erkennen. Statt der eigenen Stimme zu lauschen, preschen Herrscharen den Moden hinterher.

Ideen und Bilderklau

Die Abgrenzung von Inspiration und Kopie ist in solchen geschlossenen Systemen bedenklich schmal. Präsentiert man mal etwas Eigenes was gefällt, so wird es sofort kopiert oder geklaut. Persönliche Werte zerrinnen unter dem Diktat der Plagiatoren. Auch unter diesem Gesichtspunkt möchte ich mal die Theorie aufstellen, dass zuviel Zeit mit dem Kopieren verbracht wird, als mit der Produktion von eigenen Inhalten. Es entstehen sogar eigene Termini wie: Tröpfchenbilder, Steinbilder, etc… Ein Foto wird von dem nächsten kopiert.

Alles Punkte, welche wunderbar (und) ehrlich in Worte gefasst sind und mir würden auf der Stelle noch eine Menge mehr Punkte einfallen um die man es erweitern könnte.

Gerade im letzten Abschnitt “Ideen und Bilderklau” könnte ich zwar nicht mit Erfahrungen im Klauen von Ideen / Bildern bei Tröpfchenbilder, Steinbilder etc. glänzen – jedoch lässt sich das scheinbar auf jedes Genre der Fotografie projizieren, wenn ich mir einige Cover von Hochglanzmagazine anschaue und schon die Uhr danach stellen kann wann die Idee geklaut aufgegriffen wird.

Das Thema hatte ich ja erst selbst vor kurzem angeschnitten.

Doch auch wenn die Wahrheit für manchen hart klingt: man stumpft ab, verliert den Blick für die Realität und die Welt, die sich um einen während dessen unermüdlich weiterdreht – auf der Suche nach dem perfekten “Community”-Bild was allen Ansprüchen gerecht wird ohne dabei auf eines zu achten: sich selbst oder was noch viel wichtiger ist, den Markt.

Was nützen uns die tollsten und meist kommentierten Bilder, wenn sie nur daheim auf der Festplatte schmoren weil niemand sie haben möchte (stellt euch den Booker einer Agentur vor, der vor eurem Foto sitzt und dem Model sagt: “Schöne Idee, haben das nicht vor 2 Wochen Model X und Fotograf Y bei GTNM auch schon umgesetzt?”) – im Prinzip ein offener Schlag ins Gesicht eines jeden “kreativen” Fotografen.

Was nützen uns die tollsten “Community-Kontakte”, wenn sich diese Leute doch kaum dafür interessieren warum du überhaupt gegangen bist oder was du nun treibst?

Ich für meinen Teil bin gespannt.
Ganz allgemein und auch ein Stück weit auf mich selbst.

PS @ Olaf: Vielleicht liest du diesen Beitrag. Was wurde eigentlich aus dem “versprochenen” Artikel “5 Gründe, warum man an einer Foto- Community teilhaben sollte”? ;)


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1 Trackback / Pingback

4 Kommentare zu “Über Fotocommunities, Illussionen & Platzhirsche”

  • Mike

    Hallo Maik!

    Schöner Artikel bzw. Gedanken. Genau so sehe ich es auch. Mein Schritt, mich bei einigen Plattformen abzumelden und anders zu orientieren, entstand aus dem eigenen Anspruch, sich fotografisch weiterzubringen. Man entschlüpft dem Amateur-Level und geht in der Entwicklung den nächsten Schritt.
    Ich muss aber auch sagen, dass meine fotografischen Tätigkeiten ohne eine Community nicht entstanden wären. Am Anfang hat mir das sehr viel gebracht. Man darf sich mit der Zeit nur nicht “verbiegen” lassen und nicht alles “bierernst” nehmen.
    Gut Licht wünscht,
    Mike

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  • Wonco

    Hallo Mike,

    Danke dir für deine Zeilen – da gehen unsere Ansichten wohl regelrecht konform. Ich möchte auch nicht leugnen, dass es “mich” (im Sinne der Fotografie) ohne die ein oder andere Plattform so heute nicht geben würde. (welche Plattform wird wohl gemeint sein? ;) )

    Bis zu einem gewissen Punkt nutzt und bringt es einen.
    Doch scheinbar geht es irgendwann nicht weiter – persönlich – “man dreht sich im Kreis” träfe es wohl recht gut.

    Welchen Weg bist du danach gegangen?
    Nur noch professionelle Modelle über Agenturen gesucht / gebucht?

    Dir auch weiterhin Gut Licht,
    Maik

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  • Mike

    Hallo Maik!

    Jetzt hole ich mal weiter aus…. :-)
    Fakt ist, dass die Fotografie ein Hobby von mir ist und ich als Autodidakt auch noch vieles lernen muss. Bevorzugt durch Praxis. Welchen Weg man gehen und in welchem Bereich man fotografieren möchte, ergibt sich erst nach einer Zeit. Und, wenn man sich die Zeit dafür auch nimmt bzw. nehmen kann. Ich brauchte mich da nie groß unter Druck setzen und ließ es wirklich ruhig angehen. Anfang des Jahres entschied ich mich dann für einen neuen Schritt. Altlasten über Bord werfen. Neu orientieren. Eigenes Team aufbauen. Networking. Und jemand sagte zu mir: “Ride your own horse.” … Reite dein eigenes Pferd. Wenn man dieses tut, sitzte man nicht nur selbst im Sattel und besitzt ein eigenes Pferd, sondern man bestimmt auch noch die Richtung, in die man reiten möchte und darüberhinaus die Laufgeschwindigkeit des Pferdes. Man nimmt die Zügel selbst in die Hand. Und das schafft Kraft und Ideen für Neues. So entsteht gerade mein eigenes kleines privates Atelier auf gut 70m². Ein Traum geht in Erfüllung. Damit verbunden ist auch der Weg zum Geld verdienen nicht mehr so weit und aus Hobby wird evtl. ein Gewerbe?! Muss aber nicht unbedingt sein. Ich verdiene meine Geld anderweitig.
    Aber es steht noch die Frage im Raum, wo ich passende Modelle finde, wenn ich mich doch nun bei einigen Portalen ausklincke. Welche Modelle erfüllen denn meinen Anspruch? Sicher nicht mehr diejenigen, die sich über eine Freundin über eine Freundin und eine weitere Freundin bei einem Portal anmelden, um für Lau an Fotos zu kommen. Wenn sie denn zum Shooting erscheinen und nicht vorher absagen oder plötzlich vom Erdboden verschluckt wurden. Es gibt Ausnahmen im Amateur-Bereich. Keine Frage. An Agenturen habe ich mich noch nicht gewendet. Die Sache ist doch sicher kostspielig. Ich bin in diesem Bereich aber auch völlig unerfahren. Der ganze Zauber eines Shootings füllt sich immer mehr mit Kosten. Visagist, Studio (Miete, Strom, Heizung), Ausrüstung, Verpflegung (Getränke, Snacks), Accessoirs… und dann noch eine Agentur und ein Model? puh… In Ausnahmefällen könnte man das evtl. in Betracht ziehen, um beispielsweise eine gewisse Referenz zu sammeln. Dadurch ergeben sich ja auch oft neue Kontakte.
    Einer meiner Wege wird die “Jagd” auf frische Gesichter von der Strasse sein. Zum Beispiel die nette Nachbarin von nebenan oder die Kassiererin im Einkaufstempel. Warum? Weil diese Menschen nicht schon von zig anderen Fotografen aus einem Portal fotografiert wurden. Ein Bekannter würde dazu sagen. “Das ist mit der Zeit doch alles Inzucht!”.
    Natürlich ist ein weiterer Weg die Portale im Internet. Gerade für internationale Kontakte. Zum Beispiel facebook, modelmayhem…. Um weiterzukommen bzw. seinen eigenen Anspruch gerecht zu werden, muss man früher oder später eine gewisse Professionalität an den Tag legen und sich auch an jene halten. Der eigene Anspruch entwächst dem Amateurhaften.
    Aber… jeder hat einen anderen Anspruch und einen anderen Geschmack. Und… der Spaß bei der Sache sollte nie verloren gehen. Denn dann schwindet auch die Kreativität.
    Derzeit bin ich also noch am Basteln, sprich Renovieren. Wenn alles fertig ist, werde ich mich an die neue Blitzanlage gewöhnen müssen und erst dann gehe ich auf die Menschheit los. :-) Es wird spannend…

    Viele Grüße,
    Mike

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  • Alexander

    Auch hier sprichst Du mir aus dem Herzen! Ich kennen einen “Fotografen”, der tatsächlich nur in dieser FC Welt lebt und dem diese Welt wichtiger war/ist als reale Freunde! Dort bekommt er immer nur Lob, wenn Kritik dann nur hinter vorgehaltener Hand. Im realen Leben hat er Bildkritiken pur bekommen, von Angesicht zu Angesicht… Das hat er nicht verkraftet. Eine Freundschaft ist dadurch kaputt gegangen, weil er nicht loslassen kann von der Schleimer FC!

    Ich bin da übrigens auch noch angemeldet. Aber meine Bilder sind lang gelöscht… Aber ab und an rein schauen und das Geschleime anschauen ist schon interessant.

    LG Alexander

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